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25. Dezember 2005 - Erklärungen, Reden und andere Dokumente zur Geschichte

Verdienste um demokratischen Weg zum Sozialismus

Am 25. Dezember 2005 jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag von Anton Ackermann (1905-1973). Die Linkspartei.PDS hat seiner heute mit einem Blumengebinde an der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde gedacht. Dazu erklärt der Parteivorsitzende Lothar Bisky:

Anton Ackermann steht für einen Typ von Funktionär, die nach dem 2. Weltkrieg im Spannungsfeld von Veränderungsbereitschaft und Parteidisziplin versuchten, neue Positionen zu finden und zu behaupten. Wir würdigen in Anton Ackermann einen Kommunisten und Funktionär der SED, der sich um die schöpferische Gestaltung von Politik und um die Vertrauensbildung zu den Sozialdemokraten besondere Verdienste erworben hat.

Die Orientierung der kommunistischen Bewegung, beim Nachkriegsaufbau in West- und Osteuropa nationale Wege in Richtung Sozialismus zu beschreiten, weckte viele Hoffnungen. Die Erfahrungen mit dem Faschismus, der Sieg über dieses menschenverachtende Regime und die neue weltpolitische Situation ermöglichten diese Kurskorrektur. Für Deutschland bleibt die Ausarbeitung und Propagierung des "besonderen deutschen Weges zum Sozialismus" untrennbar mit der Persönlichkeit Anton Ackermanns verbunden, der als Eugen Hanisch in einer Strumpfwirkerfamilie im Erzgebirge aufwuchs.

Das Konzept nationaler Wege gehörte zum programmatischen Gründungskonsens der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Für Ackermann ging es dabei nicht um einen situationsbedingten taktischen Schachzug. Er verknüpfte es mit der Hoffnung, dass sich ein demokratischer und friedlicher Weg zum Sozialismus auch auf die Mittel und Formen der Machtausübung auswirken müsse. Für ihn war der demokratische Weg letztlich "der bequemste, der kürzeste und humanste Weg". Ihm schwebten neue Formen der politischen Herrschaft vor, die "das demokratische Wesen, das Fortschrittliche, Humanistische" der neuen Gesellschaft von Anfang an klar in Erscheinung treten lassen sollten. Ackermann gehörte auch zu jenen, die mahnten, den Dogmatismus der alten KPD hinter sich zu lassen und ein neues Verhältnis zur Sozialdemokratie herzustellen. Bereits im Moskauer Exil war er mit dem Konzept einer Mehrsektorenwirtschaft mit unterschiedlichen Eigentumsformen und dem Aktionsprogramm für einen Block der kämpferischen Demokratie von 1944 an der Ausarbeitung flexibler Nachkriegsstrategien beteiligt. Der Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 und die "Grundsätze und Ziele der SED" von 1946 sind unter seiner maßgeblichen Mitwirkung entstanden.

Umso demütigender war die erzwungene Selbstkritik, mit der er im September 1948 die alleinige Verantwortung für die These vom besonderen deutschen Weg auf sich nehmen und sie für politisch schädlich erklären musste. Der Kalte Krieg und die beginnende Blockbildung duldeten keine eigenständigen Wege mehr. Das Modell der jeweiligen Führungsmacht wurde der verbindliche Maßstab. Nach dem 17. Juni 1953 gehörte Ackermann zu denen, die in der SED-Führung ernsthafte personelle und inhaltliche Konsequenzen forderten. Dies wurde mit der Entfernung aus allen Ämtern geahndet. Obwohl später stillschweigend rehabilitiert, erlangte er nie wieder nennenswerten Einfluss.
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