02. Juli 2001
Geschichte wirkt über vielfältige Hinterlassenschaften nachhaltig auf Voraussetzungen und Bedingungen politischen Wirkens in Gegenwart und Zukunft. Das Bild von Geschichte und die Bewertung von Ereignissen, Personen und Prozessen sind Teil der Auseinandersetzung um die geistige Kultur der Gesellschaft und damit um ideologische Hegemonie. Gesellschaftsvisionen sowie Lebensentwürfe von Gruppen und Individuen werden bewußt oder unbewußt maßgeblich vom dominierenden Geschichtsbild bzw. der jeweiligen Minderheitenposition beeinflußt. Politik und Herrschaftsansprüche bedienen sich historischer Legitimation. Aktuelle politische Kontroversen werden oft im historischen Gewand ausgetragen. Geschichte bleibt deshalb ein wichtiges Feld von Politik.
Geschichtsbilder und Geschichtsinterpretationen sind ein wesentliches Element theoretischer und politisch-organisatorischer Standortbestimmung. Zur Profilierung der PDS als sozialistische Partei links von der SPD gehört, sich zum Erbe sozialistischer und kommunistischer sowie anderer demokratischer Bewegungen und Persönlichkeiten zu bekennen und zu positionieren. Die erstrebte Öffnung in die Gesellschaft verlangt nach einem entsprechend breiten Erbe- und Traditionsverständnis. Die Fixierung auf ein verbindliches Bild von Geschichte stünde dem entgegen. Vielfalt von Interpretationen kann in einer linken sozialistischen Partei jedoch nicht mit Beliebigkeit gleichgesetzt werden.
Die PDS steht in einer besonderen Verantwortung für das Erbe der DDR und der SED, aus der sie vor allem hervorging. Darüber hinaus müssen Erfahrungen und Impulse aus der Entwicklung der Bundesrepublik und Europas erschlossen und aufgenommen werden.
Die Historische Kommission erörtert zentrale Fragestellungen und Probleme des Traditionsverständnisses der Partei sowie des öffentlichen Geschichtsdiskurses. Sie berät den Parteivorstand und die parlamentarischen Mandatsträger in politisch relevanten Fragen der Geschichte. Sie unterstützt die Aufbereitung neuer Forschungsergebnisse für die historisch-politische Arbeit der PDS und pflegt Informations- und Arbeitskontakte zu Institutionen, Geschichtswissenschaftlern, politischen Bildungsvereinen sowie zu Historischen Kommissionen bzw. Arbeitsgruppen anderer demokratischer Parteien. Sie vertritt als Mitglied der Internationalen Tagung der HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen (Linzer Tagung, Österreich) die Interessen linker und marxistischer Wissenschaftler in diesem Forum der internationalen Kooperation und Kommunikation.
Die Historische Kommission beteiligt sich im Rahmen ihrer Spezifik an der Diskussion und Ausarbeitung programmatischer Dokumente der PDS. Sie fördert die breite Diskussion zu historisch-politischen Themen unter Mitgliedern und Sympathisanten der PDS und unterstützt den Meinungsbildungsprozeß mit Diskussionsangeboten und inhaltlichen Orientierungen. Sie setzt sich für die kontinuierliche Arbeit mit Zeitzeugen sowie für einen verantwortungsbewußten Umgang mit Gedenkstätten der Arbeiterbewegung, Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus und Militarismus sowie mit Stätten der Erinnerung an die Opfer des Stalinismus ein.
2. Inhaltliche Schwerpunkte der Kommissionsarbeit
Die inhaltlichen Schwerpunkte der Kommissionsarbeit ergeben sich aus den Orientierungen des Programms der Partei und aus den jeweiligen Erfordernissen der politischen Arbeit und deren Bezügen zur Geschichte. Auf absehbare Zeit werden folgende Problemkreise die Arbeit der Kommission bestimmen:
Die Historische Kommission besteht aus berufenen Mitgliedern. Sie kann durch Fachwissenschaftler und Persönlichkeiten mit zeitweiligem oder ständigen Gaststatus erweitert werden, wenn Thema und Aufgabenstellung dies erfordern. Sie veranstaltet Arbeitstreffen von Funktionsträgern, Arbeitsgruppen und Initiativen in den Landesverbänden, die auf dem Gebiet der historischen Bildung und Forschung arbeiten. Sie unterstützt parteinahe Stiftungen und Bildungsvereine bei der Planung und Realisierung wissenschaftlicher Kolloquien und Konferenzen. Die Schwerpunkte der Arbeit und die Themen und Termine der Tagungen und Konferenzen werden in einem Arbeitsplan festgehalten.
Die Historische Kommission
Anlage:
Vorschlag zur Zusammensetzung der Historischen Kommission
Auf der Grundlage des Beschlusses über "Die weitere Gestaltung der Arbeit der Historischen Kommission" werden als Mitglieder der Kommission berufen:
Mit der Neuberufung der Historischen Kommission beim Parteivorstand der PDS erlischt das Mandat der 1990 berufenen und in den Folgejahren kooptierten Kommissionsmitglieder. Der Parteivorstand dankt den bisherigen Kommissionsmitgliedern für die geleistete Arbeit.
Die weitere Gestaltung der Arbeit der Historischen Kommission beim Parteivorstand
Beschluss des Parteivorstandes vom 2. Juli 2001
1. Funktion und Aufgaben der Historischen KommissionGeschichte wirkt über vielfältige Hinterlassenschaften nachhaltig auf Voraussetzungen und Bedingungen politischen Wirkens in Gegenwart und Zukunft. Das Bild von Geschichte und die Bewertung von Ereignissen, Personen und Prozessen sind Teil der Auseinandersetzung um die geistige Kultur der Gesellschaft und damit um ideologische Hegemonie. Gesellschaftsvisionen sowie Lebensentwürfe von Gruppen und Individuen werden bewußt oder unbewußt maßgeblich vom dominierenden Geschichtsbild bzw. der jeweiligen Minderheitenposition beeinflußt. Politik und Herrschaftsansprüche bedienen sich historischer Legitimation. Aktuelle politische Kontroversen werden oft im historischen Gewand ausgetragen. Geschichte bleibt deshalb ein wichtiges Feld von Politik.
Geschichtsbilder und Geschichtsinterpretationen sind ein wesentliches Element theoretischer und politisch-organisatorischer Standortbestimmung. Zur Profilierung der PDS als sozialistische Partei links von der SPD gehört, sich zum Erbe sozialistischer und kommunistischer sowie anderer demokratischer Bewegungen und Persönlichkeiten zu bekennen und zu positionieren. Die erstrebte Öffnung in die Gesellschaft verlangt nach einem entsprechend breiten Erbe- und Traditionsverständnis. Die Fixierung auf ein verbindliches Bild von Geschichte stünde dem entgegen. Vielfalt von Interpretationen kann in einer linken sozialistischen Partei jedoch nicht mit Beliebigkeit gleichgesetzt werden.
Die PDS steht in einer besonderen Verantwortung für das Erbe der DDR und der SED, aus der sie vor allem hervorging. Darüber hinaus müssen Erfahrungen und Impulse aus der Entwicklung der Bundesrepublik und Europas erschlossen und aufgenommen werden.
Die Historische Kommission erörtert zentrale Fragestellungen und Probleme des Traditionsverständnisses der Partei sowie des öffentlichen Geschichtsdiskurses. Sie berät den Parteivorstand und die parlamentarischen Mandatsträger in politisch relevanten Fragen der Geschichte. Sie unterstützt die Aufbereitung neuer Forschungsergebnisse für die historisch-politische Arbeit der PDS und pflegt Informations- und Arbeitskontakte zu Institutionen, Geschichtswissenschaftlern, politischen Bildungsvereinen sowie zu Historischen Kommissionen bzw. Arbeitsgruppen anderer demokratischer Parteien. Sie vertritt als Mitglied der Internationalen Tagung der HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen (Linzer Tagung, Österreich) die Interessen linker und marxistischer Wissenschaftler in diesem Forum der internationalen Kooperation und Kommunikation.
Die Historische Kommission beteiligt sich im Rahmen ihrer Spezifik an der Diskussion und Ausarbeitung programmatischer Dokumente der PDS. Sie fördert die breite Diskussion zu historisch-politischen Themen unter Mitgliedern und Sympathisanten der PDS und unterstützt den Meinungsbildungsprozeß mit Diskussionsangeboten und inhaltlichen Orientierungen. Sie setzt sich für die kontinuierliche Arbeit mit Zeitzeugen sowie für einen verantwortungsbewußten Umgang mit Gedenkstätten der Arbeiterbewegung, Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus und Militarismus sowie mit Stätten der Erinnerung an die Opfer des Stalinismus ein.
2. Inhaltliche Schwerpunkte der Kommissionsarbeit
Die inhaltlichen Schwerpunkte der Kommissionsarbeit ergeben sich aus den Orientierungen des Programms der Partei und aus den jeweiligen Erfordernissen der politischen Arbeit und deren Bezügen zur Geschichte. Auf absehbare Zeit werden folgende Problemkreise die Arbeit der Kommission bestimmen:
- Traditionen, Erfahrungen und Lehren, die sich aus der Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung und der Vielfalt ihrer Gruppierungen und Strömungen ergeben;
- das Erbe des Antifaschismus in seiner ganzen Breite und seine Bedeutung für die Auseinandersetzung mit rechtsextremen und neofaschistischen Erscheinungen und Gruppierungen;
- die Geschichte beider deutscher Teilstaaten einschließlich ihrer Vorgeschichte seit 1945 und die Folgewirkungen der deutschen Zweistaatlichkeit sowie der darin verkörperten Systemauseinandersetzung;
- ausgewählte Fragen der europäischen Geschichte und deren Bedeutung für den europäischen Einigungsprozeß;
- Fragen der Entwicklung von Geschichtsbewußtsein und Erinnerungskultur in der geistigen und politischen Auseinandersetzung unserer Zeit;
- die PDS als Gegenstand historischer Forschung und Darstellung;
- Themen, die sich aus Jubiläen und aus öffentlichen Debatten ergeben.
Die Historische Kommission besteht aus berufenen Mitgliedern. Sie kann durch Fachwissenschaftler und Persönlichkeiten mit zeitweiligem oder ständigen Gaststatus erweitert werden, wenn Thema und Aufgabenstellung dies erfordern. Sie veranstaltet Arbeitstreffen von Funktionsträgern, Arbeitsgruppen und Initiativen in den Landesverbänden, die auf dem Gebiet der historischen Bildung und Forschung arbeiten. Sie unterstützt parteinahe Stiftungen und Bildungsvereine bei der Planung und Realisierung wissenschaftlicher Kolloquien und Konferenzen. Die Schwerpunkte der Arbeit und die Themen und Termine der Tagungen und Konferenzen werden in einem Arbeitsplan festgehalten.
- Mitglieder der Kommission: Die Mitglieder der Historischen Kommission werden vom Parteivorstand berufen. Der Kommission können bis zu 30 Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik angehören. Sie zeichnen sich durch Fachkompetenz auf wichtigen Gebieten der Geschichte bzw. der historisch-politischen Bildung aus. Die Berufung in die Historische Kommission ist nicht an die Mitgliedschaft in der PDS gebunden. Die Mitglieder der Historischen Kommission unterstützen die PDS und ihre Landesverbände bei der Konzipierung und Realisierung der historisch-politischen Arbeit und vertreten die PDS auf wissenschaftlichen Konferenzen und in der öffentlichen Geschichtsdebatte.
- Sprecherrat: Die Historische Kommission wählt aus ihrer Mitte einen Sprecherrat, der einen geschäftsführenden Sprecher bestimmt. Der Sprecherrat besteht aus höchstens fünf Personen. Er koordiniert und leitet die Arbeit zwischen den Kommissionstagungen.
Der Sprecherrat tritt in der Regel einmal in zwei Monaten zur Beratung zusammen. Der geschäftsführende Sprecher vertritt gemeinsam mit den Mitgliedern des Sprecherrates die Kommission gegenüber dem Parteivorstand, in internationalen Gremien, in wissenschaftlichen Einrichtungen und Organisationen sowie in der Öffentlich- keit. - Tagungen der Historischen Kommission: Die Historische Kommission tritt in der Regel zweimal im Kalenderjahr zu einer Tagung zusammen. Die Einladung erfolgt durch den Sprecherrat mindestens zwei Wochen vor dem Tagungstermin unter Angabe der Tagesordnung und der Referenten. Die Tagungen widmen sich Schwerpunkten der historisch-politischen Debatte und des Traditionsverständnisses der PDS. Sie sind öffentlich, dienen aber in erster Linie der Beratung der Kommissionsmitglieder und der geladenen Gäste.
- Arbeitstreffen der Arbeitsgruppen und historischen Initiativen in den Landesverbänden: Um die Koordinierung und Vernetzung sowie den Erfahrungsaustausch der Gruppen und Initiativen zu fördern, die sich in der PDS mit historisch-politischen Fragen befassen, lädt die Historische Kommission regelmäßig zu Arbeitstreffen ein. Die Arbeitstreffen dienen der gegenseitigen Information und der Abstimmung zu Schwerpunkten der Geschichtsarbeit. Es soll helfen, gemeinsame konzeptionelle Orientierungen zu erarbeiten, und die Effektivität der Geschichtsarbeit verbessern.
- Kolloquien und Konferenzen: Die Historische Kommission führt nach Bedarf zu Grundsatz- und Schwerpunktfragen der Geschichte Expertenberatungen mit Historikern und Politikwissenschaftlern sowie wissenschaftliche Kollo- quien und Konferenzen durch. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, die Kompetenz von Spezialisten innerhalb und außerhalb der PDS zu nutzen, Akzente im öffentlichen Geschichtsdiskurs zu setzen und Anstöße für die innerparteiliche Diskussion zu geben. Themen und Zeitpunkt der Konferenzen werden mit potentiellen Kooperationspartnern (Stiftungen, Vereine, Vorstände, Fraktionen) abgestimmt.
Die Historische Kommission
- veröffentlicht zu wichtigen Ereignissen und Problemen Stellungnahmen, Thesen und Diskussionspapiere zur Unterstützung der historisch-politischen Debatte;
- berichtet im Presse- und Informationsdienst, in Disput und in parteinahen Presse- und Publikationsorganen regelmäßig über Schwerpunkte ihrer Arbeit;
- informiert im Internet über Termine, Vorhaben und aktuelle Probleme ihrer Arbeit;
- berät den Vorstand sowie die parteinahen Stiftungen bei historischen Publikationen.
Anlage:
Vorschlag zur Zusammensetzung der Historischen Kommission
Auf der Grundlage des Beschlusses über "Die weitere Gestaltung der Arbeit der Historischen Kommission" werden als Mitglieder der Kommission berufen:
- Günter Benser
- Helmut Bock
- Stefan Bollinger
- Jochen Cerný
- Ludwig Elm
- Karl-Heinz Gräfe
- Jürgen Hofmann
- Mario Keßler
- Klaus Kinner
- Thomas Klein
- Siegfried Kuntsche
- Kurt Libera
- Detlef Nakath
- Wilfriede Otto
- Jörg Roesler
- Carsten Schatz
- Volkmar Schöneburg
- Robert Scholz
- Sonja Striegnitz
- Jochen Traut
- Karlen Vesper
Mit der Neuberufung der Historischen Kommission beim Parteivorstand der PDS erlischt das Mandat der 1990 berufenen und in den Folgejahren kooptierten Kommissionsmitglieder. Der Parteivorstand dankt den bisherigen Kommissionsmitgliedern für die geleistete Arbeit.