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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS: August 2003

Die Rettung des Ernst-Thälmann-Denkmals in Magdeburg

Walter Bütow, Magdeburg

Thälmann-Denkmal in MagdeburgNachdem Krupp durch Krause entmachtet wurde, ist dem Krupp-Gruson-Werk in Magdeburg der Name Ernst Thälmann durch Rosa, die Ehefrau "Teddys", 1951 verliehen worden. Damit ging die Ära "Krupp-Gruson" in Magdeburg endgültig zu Ende. Die Arbeiter hatten das Werk in ihre Hände genommen, und es wurden keine Kanonen und Panzer gebaut, sondern neue Erzeugnisse, die dem Frieden dienten. Unter dem neuen Namen hat das Werk mit seinen Erzeugnissen Weltruhm erreicht.

Das neue Symbol des Werkes "Hammer und Amboß" wurde weltbekannt, es war auch Ausdruck der Anerkennung der Leistungen der Arbeiter, Ingenieure und aller Werktätigen.

In den 80er Jahren wurde im Werk diskutiert und gefordert, für den Führer der deutschen Arbeiterklasse und Vorsitzenden der KPD, der von den Faschisten im KZ Buchenwald ermordet wurde, ein Denkmal zu errichten. Der Bildhauer Gerhard Rommel erhielt den Auftrag, einen Entwurf zu erarbeiten. Es war beabsichtigt, zum 100. Geburtstag Ernst Thälmanns das Denkmal auf dem Vorplatz des Haupteinganges zum Werk aufzustellen. Dabei sollte in einem Rondell um das Denkmal die Entwicklung der deutschen Arbeiterklasse vom Kommunistischen Manifest bis in die Gegenwart dargestellt werden.

Bis es so weit war, waren einige Hindernisse zu überwinden. Da in Berlin, der Hauptstadt der DDR, ein solches Monument nicht vorhanden war, durfte Magdeburg es nicht errichten. Es wurden vom ZK und der Plankommission Bedenken erhoben und auf Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Buntmetall und anderer Kapazitäten hingewiesen. Da wurde von den Genossen der Parteileitung ein Trick angewandt.

Nach Rücksprache mit unseren Kunden in der Sowjetunion ist ohne Zustimmung von oben mit ihnen vereinbart worden, daß die Genossen aus Kriwoi-Rog das Denkmal nach dem Entwurf Gerhard Rommels ihren Freunden in Magdeburg zum 100. Geburtstag Ernst Thälmanns schenken werden. Natürlich wurde es später mit Lieferungen von Maschinen und Anlagen verrechnet. Im Nachhinein sollten sogar verantwortliche Genossen des Werkes wegen Schwarzhandels mit Buntmetall angeklagt werden. Der Generaldirektor und die Parteileitung hatten sich aber durchgesetzt.

Am 16. April 1986 wurde das Denkmal unter großer Teilnahme der Werktätigen des Werkes eingeweiht. Vor allem die Thälmann - Pioniere haben diese Veranstaltung mitgestaltet. Aus Anlaß dieses Tages ist auch eine Gedenkmünze geprägt worden, die an Gäste und Werksangehörige für ausgezeichnete Leistungen verliehen wurde.

Mit der Einverleibung der DDR wurde unser Werk durch die Treuhand vereinnahmt. Der letzte Generaldirektor des Werkes, Dr. Klaus Oberländer, hat zunächst das Werk weiter geleitet. Sein von der Belegschaft akzeptiertes Konzept wurde von der Treuhand abgelehnt. Er wurde durch einen "Wessi", Herrn Karl-Wilhelm Marx, abgelöst.

Es begannen Untergang und Zerstörung des Betriebes. Die Konkurrenz aus dem Westen konnte sich durch Übernahme der Produktion aus der Krise retten. Von den 13.000 Beschäftigten des Werkes sind heute noch 420 übriggeblieben.

Mit dem neuen Geschäftsführer kamen auch die Denkmalstürmer auf ihre Kosten. Seine erste Handlung war, das Ernst-Thälmann-Denkmal zu beseitigen. Da die Arbeiter des Werkes sich weigerten, ihren "Meister Proper" zu beseitigen, wurde damit eine Fremdfirma beauftragt. In einer Nacht - und Nebelaktion ist die Schandtat vollbracht worden. Das Denkmal wurde in einer Halle des Werkes eingelagert und mit Holzkisten abgedeckt. Erst nach längerer Zeit konnten wir den Lagerplatz ausfindig machen. Die Reliefs und das Rondell sind bis heute nicht entdeckt worden, sie sollen sich in der Firma für Denkmalsschutz Schuster befinden. Die Empörung der Thälmann-Werker war sehr groß. Sie waren gegen die Beseitigung des Denkmals.

Nach dem Einigungsvertrag wurde entschieden, daß die Zahlung der Betriebsrenten zum 1.1.1992 eingestellt wird. Da habe ich die Initiative ergriffen und einen "SKET - Seniorenrat" gebildet. Es begann ein langwieriger Kampf um unser Recht. Wir haben uns an die Industriegewerkschaft Metall (IGM), die Treuhand und die Landesregierung gewandt. Alles leere Versprechungen, die uns erreichten. Dann kam der "Hammer". Mir wurde durch die Geschäftsleitung untersagt, den Namen "SKET-Senioren"zu führen. Das wäre geschäftsschädigend.

Da habe ich nach Rücksprache mit den Senioren entschieden, daß wir ab sofort unter dem Namen "Thälmannwerker und Freunde e.V." auftreten. Wir wurden im Vereinsregister unter diesem Namen eingetragen.

Neben dem Kampf um die Betriebsrenten haben wir den Kampf um die Errichtung des Denkmals aufgenommen. Den Kampf um die Betriebsrenten haben wir verloren. Der beabsichtigte Niedergang des Werkes war beschlossene Sache. Es ging 1996 in die Insolvenz. Das Werk wurde in 5 Teile zerlegt. Der Geschäftsführer Karl-Wilhelm Marx wurde abgelöst. Die örtliche Presse berichtete unter der Schlagzeile "Marx stürzte über Thälmann".

Die Gesichter der Arbeiter waren ernst und zornig. Sechs Jahre haben wir um den Erhalt des Unternehmens gekämpft, vergebens. Aber vom Begriff SKET, der den Namen Ernst Thälmann enthält -, haben wir uns nie getrennt (SKET - Schwermaschinenkombinat Ernst Thälmann).

Der neue Geschäftsführer, Herr Dr. Oestmann aus Salzgitter, hat die Leitung übernommen. Eine seiner ersten Taten war, das Ernst-Thälmann-Denkmal wieder aufzustellen.

Es wurde auf dem Gelände des Betriebes 11 - Walzwerksbau errichtet. Wir hatten Zugang, um Ernst Thälmann zu seinem Geburtstag und zu seinem Todestag entsprechend zu ehren.

Kleine Graugußstatuen des Arbeiterführers wurden als Souvenirs verkauft oder als Kundengeschenk durch den neuen Geschäftsführer überreicht.

Nachdem die einzelnen Sparten des Werkes in Privatbesitz übergingen, war der Standort des Denkmals wieder gefährdet. Ich habe dem Sequester schriftlich meine Bereitschaft erklärt, das Denkmal für 1,- DM mit einigen Quadratmetern Grund und Boden aus dem Besitz der Treuhand kaufen zu wollen. Das habe ich damit begründet, daß zum Beispiel auch der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Herr Albrecht, das Stahl- und Walzwerk Thale wohlfeil erworben hat. Das wurde abgelehnt, weil das Denkmal einen hohen Materialwert besitze und zur Konkursmasse gehöre. Der "ideelle Wert" interessiere nicht. Wir haben nicht nachgegeben. Nach zähen Verhandlungen erhielt das Denkmal einen neuen Standort.

Am 18. November 1998, aus Anlaß des 80. Jahrestages der Novemberrevolution in Deutschland, haben wir Irma Gabel-Thälmann eingeladen und in würdiger Form das Denkmal wieder in Besitz genommen. Es steht in Magdeburg-Schilfbreite gegenüber dem Rest von SKET. Die dort noch Beschäftigten gehen an ihm vorbei. Mit erhobener und geballter Faust werden nicht nur die Arbeiter, sondern auch die mit ihren Autos oder mit Bussen vorbeifahrenden Menschen begrüßt.

Unser Verein veranstaltet an diesem Ort die Ehrungen Ernst Thälmanns. Der Geschäftsführer von SKET/MAB hat dem Verein auch den Speiseraum kostenlos für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Unsere Veranstaltungen werden in der örtlichen Presse mit dem Vereinsnamen angekündigt, so daß auch Nichtmitglieder des Vereins an unseren Veranstaltungen teilnehmen. Gegenwärtig wird durch den Verein die Betriebsgeschichte unseres Werkes mit dem Schwerpunkt der Ereignisse nach 1990 aufgearbeitet, um der nachfolgenden Generation die Erinnerung daran zu erhalten.

Zur 1200-Jahrfeier der Stadt Magdeburg werden wir gemeinsam mit dem Technikmuseum eine Ausstellung gestalten. Damit wird der Name Ernst Thälmann auch in der Provinz (Anmerkung der Redaktion: Dagegen will im Berliner Abgeordnetenhaus ein FDP-Politiker das Thälmann-Denkmal im Prenzlauer Berg zerstören lassen. Nach Meinung des zuständigen PDS-Kultursenators könne es da bleiben, damit man "historischen Abstand" gewinne. Und in Ziegenhals wurde die Gedenkstätte verschlossen - s. Mitteilungen 7/2003, S. 24) geachtet und geehrt. Der MDR hat vor einigen Jahren sogar eine Sendung über das Denkmal und seine Geschichte gestaltet, an der ich mitwirkte.

Der Autor ist 2. Vorsitzender des Ernst-Thälmann-Vereins. - Foto: Autor