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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS: April 2004

Mumia Abu-Jamal feiert den 50. noch in der Todeszelle

Victor Grossman, Berlin

Ach, so viel Bitteres geschieht heutzutage in der Welt: Mordanschläge von Madrid bis Gaza, Angriffe auf Zivilisten von Tigris bis Port-au-Prince. Kann man noch Interesse finden, oder gar an Aktionen teilnehmen für den einsamen Bewohner einer Todeszelle im letzten Winkel des Bundesstaates Pennsylvania, den Journalisten und Langzeithäftling Mumia Abu-Jamal? Und läßt sich dort überhaupt etwas ändern? Es gibt Unentwegte, die darauf mit einem lauten Ja antworten.

Am 24. April wird der seit 1981 Eingesperrte, seit 1982 zum Tode Verurteilte, der für so viele ein jugendliches Charisma hat, schon 50 Jahre alt! Wenn auch Großvater geworden, bleibt er noch so kämpferisch, im besten Sinne kompromißlos, wie der Junge von 15, der schon als führender Journalist bei den damaligen Schwarzen Panthern eine politische Karriere begann, die trotz scheinbar unüberwindbarer Hürden mit regelmäßigen analytischen Kommentaren, Interviews und auch Büchern fortgesetzt wird. Bleibt jedoch dieser Einzelfall für uns Freie, meist Ferne wirklich noch relevant? Obwohl die meisten Medien den Fall weiter verschweigen, bleibt die Antwort positiv! Mumias neues, fähiges Anwaltteam gibt nicht auf, gegen die Gaskammer zu kämpfen, die immer noch droht. Und Mumias Fall behält seinen vollen Symbolgehalt. Denn das Urteil, wie die jahrzehntelange Ablehnung jeder Forderung und jeden Versuchs, Mumia einen fairen Prozeß zu ermöglichen, hat drei wichtige Beweggründe.

Erstens, der Rassismus, der höchst aktuell bleibt. Obwohl Afroamerikaner nur etwa 12 Prozent der USA-Bevölkerung darstellen, zählen sie etwa 1600 der 3692 zum Tode Verurteilten. Immer noch werden schwarze Amerikaner viel schneller und brutaler verhaftet, viel öfter für schuldig befunden und zu viel längeren, auch eher tödlichen Strafen verurteilt. Das beruht nicht allein auf dem Vorurteil, das soll abschreckend wirken. Auch bei den kommenden Wahlen bleibt der Rassismus, mehr oder weniger unter der Oberfläche, ein giftiger, wichtiger Faktor. Die Armut der Verhafteten ist ebenfalls maßgeblich und ebenfalls relevant, vor allem in den USA. Wer Tausende oder gar Hunderttausende Dollar besitzt, um die besten Anwälte und Sachverständigen anzustellen, hat gute Chancen, freizukommen oder Minimalurteile zu bekommen. Wer nur einen Pflichtanwalt erhält, der weder Zeit, Geld noch Interesse darauf verwendet, wird am Ende meist in Handschellen wieder in seine Zelle gebracht - oder wartet auf die Gaskammer. Sein Anwalt hatte sich allzu oft gelangweilt, im Prozeß gepennt oder war einfach überfordert oder inkompetent. So war es im ersten Prozeß bei Mumia. So ist es bei vielen armen Menschen - und immer wieder stellen sich fürchterliche "Justizirrtümer" heraus, wo Medien, Staatsanwälte und Richter unbedingt einen "Bösen" suchten, den sie selbstzufrieden strafen konnten. Fast überall sitzen arme Menschen hinter Gitter, ob nun sie der Taten schuldig sind oder auch nicht, und wenn ja, lauert dahinter so oft die Armut und ein von Armut überschattetes Milieu. Das ist natürlich nicht nur in den USA so. Wie viele Menschen in deutschen Gefängnissen haben einen dunkleren Teint, oft einen "nichtdeutschen" Namen? Und keinen Beruf oder keine Arbeit? Wie viele kommen aus ärmeren Milieu? Die Antwort ist genau so klar in England, Frankreich und allen "entwickelten" Ländern, sonst als Borne der "westlichen Zivilisation" bekannt. Und sind nicht am Ende die Menschen in den Käfigen von Guantànamo oder die nach dem 11. September in USA-Verliesen monatelang Eingesperrten oft im Grunde, wenn auch entfernte, Schicksalsverwandte von Mumia?

Mumia wird auch, ja besonders wegen seiner Politik so lange eingesperrt und bedroht. Manche haben Angst vor der Wirkung seiner warmen, tiefen Stimme und seinem scharfen Verstand. Und anderswo in der Welt, werden nicht andere noch wegen ihrem rebellischen Geist eingesperrt? Welche Pläne haben Männer wie Ashcroft und Berlusconi, die von Erdöl gefetteten Scheichs der Golfregion, aber auch Bechstein und Schily, um Aufmüpfigen entgegenzuwirken - ob einwandernden Flüchtenden oder hier geborenen Antifa-Demonstranten? Mumia macht kein Hehl daraus: er ist gegen ein System, das sich täglich als faul und unmoralisch zeigt. Leute, die so sprechen und so handeln, werden immer als Bedrohung angesehen - von denen, die sich bedroht fühlen. Deshalb ist Mumia auch ein Symbol für alle, die eine bessere Welt ersehnen und bereit sind, sich dafür einzusetzen. Um ihretwillen - nicht nur seinetwillen - ist der Kampf für Mumia und alle ungerecht Eingesperrten, alle zum Tode Verurteilten, heute so relevant und so dringlich.
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