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05. Juli 2006

Armutszeugnis für die Bildungspolitik in Deutschland

Diese Tage beginnen in allen Bundesländern die Schulferien. Als diesem Anlass erklärt Rosemarie Hein, Mitglied des Parteivorstandes:

Ein Schuljahr geht zu Ende. Eines, in dem wie schon in den letzten Jahren heftig und kontrovers über Schule und Bildungspolitik in Deutschland gestritten wurde. Allerdings weitgehend ergebnislos. Nach wie vor verlassen ca. 9 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne einen Schulabschluss, etwa ein Viertel geht mit dem Hauptschulabschluss ab, der nur wenige Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt bietet. Nur knapp ein Viertel erreicht dagegen das Abitur, ein schlechtes Ergebnis im internationalen Vergleich. Dies ist ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass Bildungserwerb als Menschenrecht maßgeblich über die persönliche Entwicklung und die individuellen Lebenschancen entscheidet. Die Einführung von Studiengebühren setzt dieser Benachteiligung junger Menschen aus weniger finanzkräftigen Elternhäusern die Krone auf.

In einem Land, das ständig beschwört, seine wirtschaftliche Leistungskraft mit dem Ausbau von Hochtechnologien erreichen zu wollen, ist dieses Bildungsergebnis ein Armutszeugnis. Dieses reiche Land Bundesrepublik Deutschland verweigert seit Jahren einer großen Zahl junger Menschen in ihrem Land den ihnen möglichen Bildungserwerb.

In den letzten Monaten haben Bildungspolitiker heftig mit den Armen gerudert und zum Beispiel über Zuständigkeiten und den Sinn des Sitzenbleibens schwadroniert, eine Föderalismusreform wurde verabschiedet, mit der sich der Bund nur weiter aus der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe verabschiedet. Helfen wird das alles nichts. Nach der ernüchternden Studie bei den Siebtklässlern in Hamburg kommt die dortige Bildungssenatorin zu dem Schluss: "Wir müssen an Schulen anders denken und Lernen anders organisieren."

Recht hat die Senatorin! Es bedarf einer grundlegenden Bildungsreform mit längerem gemeinsamen Lernen mit mehr individueller Förderung von Schülerinnen und Schülern in ihren unterschiedlichen Begabungen, mit dem Ziel, dass jede und jeder mindestens einen soliden Realschulabschluss erwerben kann, dass mehr Schülerinnen und Schüler das Abitur erreichen und sozial bedingter Bildungsbenachteiligung endlich wirksam entgegengewirkt wird. Schulen brauchen dazu mehr pädagogische Eigenständigkeit auf der Grundlage bundesweit gültiger und gegenseitig anerkannter Bildungsstandards. Schüler und Eltern müssen die Garantie haben, dass der in einem Land erreichte Bildungsabschluss auch in einem anderen die volle Anerkennung findet und Unterschiede, die sich aus Länderspezifiken ergeben, nicht auf dem Rücken der Lernenden ausgetragen werden.

Dafür steht die Linkspartei.PDS. Aber das wird die Hamburger Bildungssenatorin (CDU) wohl nicht gemeint haben ...