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20. November 2006

Jedes Kind soll einen Ganztagsplatz in der Kita beanspruchen können

Zum Tag der Kinderrechte erklärt der Vorsitzende der Linkspartei.PDS Lothar Bisky:

"Bildung von Anfang an" ist der erste Baustein einer demokratischen Bildungsreform. Frühkindliche Bildung, die Kommunikation mit anderen Kindern ist unersetzbar. Der Blick auf die skandinavischen Länder macht das deutlich. In Finnland betreuen in einem Kindergarten drei Erzieherinnen zwölf Kinder. Davon hat eine mindestens einen Hochschulabschluss. Von diesem Grundverständnis ist Deutschland Lichtjahre entfernt. Der heute von der AWO vorgelegte Sozialbericht 2006 stellt dem deutschen Bildungswesen erneut ein Armutszeugnis aus.

Deutschland hat einen besonderen Bedarf, sich auf die vorschulische Bildung zu konzentrieren: den notwendigen Kulturaustausch, die Chance für Migrantenkinder, frühzeitig die deutsche Sprache zu erlernen, die Fähigkeiten und Begabungen aller Kinder spielerisch und individuell zu fördern. Ich halte es für richtig, dass jedes Kind einen Anspruch auf einen Ganztagsplatz in einer Kita hat, dass sich Politik und Gesellschaft endlich mit mehr auseinandersetzen als mit Herdprämien für Besserverdienende. Dazu gehört auch, dass die Kindertagesstätten als Bildungseinrichtungen profiliert werden.

Deutschland spart sich dumm. Diese traurige Erkenntnis ist älter als die jüngsten OECD-Berichte zur Bildung. 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt unser Land nur für Bildung aus, ein Prozent weniger als der Durchschnitt.

Die Wirtschaft jammert über Fachkräftemangel. Der wird sich in zehn Jahren noch verschärfen. Ihren Anteil, daran etwas zu ändern, übernehmen gerade große Unternehmen kaum noch. Stattdessen schimpft man auf das grausige Niveau, wenn es um Prozentrechnung oder sogar Grundrechenarten geht. Dabei erhält schon jeder 4. Schüler teuren Nachhilfeunterricht. In den westlichen Bundesländern sind es sogar über ein Drittel aller Kinder, wie die Leibnitz-Gemeinschaft herausfand. Es sind natürlich die Familien mit den höheren Einkommen, die die Nachhilfe bezahlen können. Auf der anderen Seite lebt in Ostdeutschland jedes vierte und im ganzen Land jedes siebte Kind in Armut. Unser Bildungssystem verschärft die Selektion, die ungleiche Verteilung von Lebenschancen. Das Ergebnis: Nur 12 Prozent der Kinder aus armen Familien studieren an Universitäten. Dennoch werden Rufe nach Studiengebühren immer lauter.

Das Übel beginnt an der Wurzel. Deutschland gibt nicht nur zu wenig in den unteren Schulsegmenten aus, nein es diskutiert lieber über das Eva-Prinzip als über frühkindliche Bildung.