linkspartei Politik Partei Presse Links Kontakt Shop Service Ende der Hauptnavigation
26. Dezember 2006

Glückwunsche zum 100. Geburtstag!

Der Parteivorsitzende Lothar Bisky gratuliert Erwin Geschonneck herzlich zu seinem 100. Geburtstag und würdigt seine Schauspielkunst und sein politisches Engagement.

"Lieber Erwin, anlässlich Deines Jubiläums möchte ich Dir sagen, ich bin stolz darauf, dass Menschen wie Du, unserer Partei auch nach 1989 zur Seite gestanden haben, mit ihren Erfahrungen, mit ihrer ganzen Persönlichkeit. Selbst im Wahlkampf hast Du uns im Alter von 86 Jahren unterstützt. Menschen wir Du haben es möglich gemacht, dass sich im nächsten Jahr eine gesamtdeutsche Linke gründen wird.

Für Deine Schauspielkunst, für Deinen politischen Verstand, lieber Erwin, genießt Du die Hochachtung der alten, genauso wie der jungen Genossinnen und Genossen und vieler anderer Menschen. Voller Bewunderung möchte ich Dir zu Deinem ganzen Jahrhundert gratulieren", heißt es in dem Glückwunsch, der wegen einer Auslandsreise von Lothar Bisky per Video übermittelt wurde.

Lothar Bisky erinnerte daran, dass Erwin Geschonneck 1938 den Kasimir im "Der Rattenfänger bei den Schildbürgern" in Reichenbach gespielt hat. In Epilog des Stückes heißt es:

"Wenn einer kommt und will Euch retten, so hütet Euch vor Rattenfängern, von Kasimir und sonstigen Bedrängern. Sie bringen zu den Nöten noch die Ketten, sie sitzen auf dem Volke wie die Kletten..."

"Klarer und mutiger als mit dem Kasimir konnte man vor Hitler nicht warnen. Dank Deiner politischen Schauspielkunst haben dies viele Menschen verstanden.

Wir werden den Antifaschismus lebendig halten! Wir werden die Theater- und die Filmgeschichte, die Du mitgeprägt hast, weiter tragen. Dir ist es gelungen, voller Scharfsinn, von den schwersten Momenten in Deinem und dem Leben vieler unserer Genossen zu erzählen. Dir ist es gelungen, heiter und ehrlich vom Aufbau eines Landes zu erzählen, was heute zur Geschichte gezählt wird. Entscheidend für mich ist dabei, dass Du so von der DDR erzählst, dass die Utopien, auf denen dieses Land erbaut wurde, nicht verloren gehen", so Lothar Bisky. Er erinnerte daran, dass Erwin Geschonneck bis in die 90er Jahre Mitglied des Ältestenrates der PDS war.

Geschonnecks Biografie ist geprägt vom antifaschistischen Widerstand und einem unvergleichlichen Schauspielerleben. In Berlin aufgewachsen, kommt er früh mit den Fichtesportlern in Kontakt, wird 1929 Mitglied der KPD, ist 1931 als Statist in "Kuhle Wampe" erstmalig vor der Kamera. Inspiriert von Piscator und Brecht beginnt er mit künstlerischen Arbeiten in Agitprop- und Theatergruppen. 1933 geht er in die Emigration von Prag über Warschau nach Moskau und Dnepropetrowsk. Von der Sowjetunion wieder ausgewiesen kommt er 1938 zurück nach Prag. Am 31. März 1939 wird er von der SS verhaftet und erlebt die faschistische Greuel in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau und Neuengamme. Selbst in dieser Zeit gelingt es ihm, Theater als Überlebensstrategie aufzubauen. Geschonneck gehört zu den Überlebenden des Häftlingsschiffes "Cap Arcona". Nach kurzer Zeit in Hamburg, kommt er nach Berlin ans BE. Sein "Matti" in Brechts Puntila ist der Meilenstein in einer Schauspielerkarriere, die einmalig ist. 1954 wechselt Geschonneck für immer zum Film.

Zwei Stränge ziehen sich durch sein künstlerisches Leben: die Gestaltung antifaschistischer Haltungen und Werdegänge und bissige Satire sowie gutmütigen Humor. In über hundert Filmen hat Geschonneck gespielt. Er hat Generationen zum Lachen und zum Nachdenken gebracht, zu tiefen geschichtlichen Einsichten verholfen und den Blick im Alltag schärfen lassen."