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06. März 2007

Ein leider immer noch notwendiges Wort zum 8. März

Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping erklärt:

Die Frauenbewegung ist eine erfolgreiche soziale Bewegung. Sie hat in den letzten Jahrzehnten viel erreicht im Bereich sozialer und politischer Gleichstellung von Männern und Frauen sowie in punkto sexueller Befreiung der Frau. Dass sich kürzlich bei einer Volksabstimmung in einem tiefkatholischen Land wie Portugal die Mehrheit der Abstimmenden für das längst überfällige Recht auf Abtreibung aussprach, ist nur ein aktuelles Beispiel von vielen.

Doch auf diesen Erfolgen kann sich die Frauenbewegung nicht ausruhen, denn noch immer verdienen Frauen im Schnitt bis zu einem Viertel weniger als Männer. Noch immer sind in den politischen und wirtschaftlichen Führungsgremien deutlich mehr Männer vertreten als Frauen. Noch immer tragen Frauen im Durchschnitt den Großteil der Haus- und Erziehungsarbeit weg und sind besonders von Altersarmut betroffen. Und leider droht in vielen Bereichen eine Verschlechterung für Frauen. Die Privatisierung von öffentlicher Daseinsvorsorge trifft überproportional viele Arbeitsplätze von Frauen. Infolgedessen werden Frauen in schlechter bezahlte und unsichere Arbeitsverhältnisse gedrängt. Längere Ladenöffnungszeiten werden vor allem auf dem Rücken der Verkäuferinnen ausgetragen. Prekarisierung trägt ein weibliches Gesicht. Hinzu kommen Neuauflagen von alten Propagandafeldzügen wie jüngst durch Bischof Mixa, in denen Frauen auf ihre Rolle als Mutter reduziert werden sollen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts heißt es für feministisch gesinnte Männer wie Frauen: Wir müssen weiter kämpferisch bleiben.

Die Linke fordert gleiche Rechte und gleiche Möglichkeiten für Männer und Frauen. Zur Erreichung dieses großen Ziels sind u.a. folgende Etappenziele unerlässlich:
  • eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung mit Kita-Plätzen vom 1. Lebensjahr an,
  • die gerechtere Verteilung der Haus- und Erziehungsarbeit zwischen den Geschlechtern,
  • Mindeststundenlöhne und Arbeitszeitverkürzung,
  • ein Bildungssystem, dass den gängigen Geschlechterzuschreibungen entgegenwirkt,
  • der Schutz der öffentlichen Daseinsvorsorge vor Privatisierungen,
  • die Abschaffung des Ehegattensplittings sowie
  • eine Grundrente, die im Alter sicher vor Armut schützt und eine
  • gesetzliche Quotenregelungen für Vorstände von Wirtschaftsunternehmen nach norwegischem Vorbild.
  • Die neue Linke sieht in der Frauenbewegung eine ihrer Wurzeln und kämpft für die Gleichstellung der Geschlechter. Doch wenn es um die Aufstellung von Listen geht, wurde die Quotierung wiederholt leichtfertig aufgehoben. Und dies ist nur ein Grund, warum mensch sich auch in der neuen Linken gelegentlich an die Aussage der großen Clara Zetkin erinnert fühlt: "In der Theorie sind die Genossinnen schon gleichberechtigt, in der Praxis aber hängt der Philisterzopf den männlichen Genossen noch ebenso im Nacken wie dem ersten besten Spießbürger."

    Die neue Linke muss sich auch ernsthaft – und nicht nur am 8. März - der Frage stellen, warum inzwischen erschreckend weniger Frauen als Männer in die Partei eintreten. Wer Veranstaltungen in Räumen ohne Barrierefreiheit durchführt, schließt Menschen im Rollstuhl aus. Die Barrieren, die Frauen heute noch von der neuen Linken abhalten, sind womöglich nicht so offensichtlich wie fehlende Rampen bzw. Abstufungen aber sie sind leider sehr wirkungsmächtig.

    Der Kampf gegen das Jahrtausend alte Unterdrückungsverhältnis Patriarchat erfordert einen langen Atem. Die neue Linke muss in der eigenen Außenwirkung ihren Beitrag zu diesem Kampf leisten. Sie sollte dazu beitragen, dass die klassische Rollenteilung, wonach Frauen in der zweiten oder dritten Reihe stehen und in den Familien für Heim, Herd (und maximal noch für einen Zuverdienst) zuständig sind, überwunden wird.