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08. März 2007

Keine Schule darf eine bildungspolitische Sackgasse sein

Führende Bildungsforscher fordern nach Medienberichten eine radikale Bildungsreform. Dazu erklärt das Mitglied des Parteivorstandes Rosemarie Hein:

Deutschland ist noch längst nicht auf dem Weg zu einer modernen, sozial gerechten und leistungsfähigen Bildungslandschaft. Die Linkspartei.PDS unterstützt Forderungen nach einer grundlegenden Bildungsreform. Die dafür vom „Aktionsrat Bildung“ vorgeschlagenen Maßnahmen reichen aber nicht aus. Keine Schule darf eine bildungspolitische Sackgasse sein.

Wir stimmen der Expertise zu, dass die Hauptschule abgeschafft werden soll. Aber das dreigliedrige Schulsystem durch ein zweigliedriges zu ersetzen, ist noch keine Bildungsreform. Das zeigen die Erfahrungen von Bundesländern wie Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Bremen oder Saarland, die bereits über ein zweigliedriges Schulsystem verfügen. In keinem dieser Bundesländer ist sind Bildungschancen für sozial benachteiligte Kinder gewachsen.

Wir stimmen zu, dass Schulen mehr pädagogische Eigenständigkeit erhalten müssen und staatliche Finanzierung brauchen. Es ist aber ein Irrtum, dass private Betreiber automatisch bessere Bildung gewährleisten, auch wenn der flüchtige Blick auf Schulen in freier Trägerschaft den Eindruck erwecken kann. Vielmehr sind es Korsettstangen der Kultusministerkonferenz und die daran anknüpfende Kultusbürokratie, die der Entwicklung der Schullandschaft bei staatlichen Schulen ständig im Weg stehen. Dieses bürokratische System muss aufgebrochen werden, sonst nützt alles Engagement der Pädagogen nicht viel.

Lehrerinnen und Lehrer brauchen eine ständige qualifizierte Fortbildung, schon weil die Reform von Schule auch eine des Lehrens und Lernens sein muss. Das ist richtig. Aber wir weigern uns, den Lehrern mit dem unterschwelligen Vorwurf, sie würden nicht genug für ihre Fortbildung tun, den schwarzen Peter zuzuschieben.

Wir stimmen zu, dass Bildung im frühen Kindesalter eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Schulbesuch ist. Die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern sollte auf Hochschulniveau angehoben werden. Aber es ist blauäugig, eine Kindergartenpflicht zu fordern, wenn kein ausreichendes Angebot an Plätzen vorhanden ist. Wir sind uns sicher, dass Eltern keinen Zwang brauchen, wenn das Angebot da ist und die Betreuung von Kindern in Kindergärten und -krippen nicht mehr durch Vertreter der Politik diskreditiert wird.

Schulen brauchen mehr Ansporn und Anerkennung aus der Gesellschaft, damit sie ihr pädagogisches Profil erfolgreich weiter entwickeln können. Rankings werden die Schullandschaft nicht verbessern, sondern nur zur weiteren sozialen Differenzierung führen. Wahlfreiheit ist auch nur dann gegeben, wenn sich Eltern diese auch leisten können.